Schreiben Sie Ihre Meinung.
Der Begriff TANTRA kommt aus Indien und beschreibt nicht nur eine sexuelle Praxis, sondern war ursprünglich ein spiritueller Weg, der zu Ekstase und Erleuchtung führen sollte. Im Gegensatz zu anderen Religionen wurde allerdings keine Askese gepredigt, sondern auch Sinnlichkeit und Lust sollten bewusst erlebt werden, um sich daraus weiterzuentwickeln. Alle Anteile des Menschen, die unterdrückt werden, verhindern letztendlich die Befreiung von dem Rad der Widergeburt – so lautet die These der Tantriker. Kein Wunder, dass dieser spirituelle Weg sehr popolär wurde und ca. 500 nach Chr. seine Blütezeit erlebte. Allerdings kann man aufgrund von vielen Ausgrabungen davon ausgehen, dass es schon vor ca. 20.000 Jahren in vielen Kulturen eine Auseinandersetzung mit ritualisierter Sexualität gegeben hat.
Inder sind fantasievolle Menschen und sie lieben die farbenprächtige Welt der Götter. Als Symbol für die göttliche Energie, die in Männern und Frauen steckt, wurde der männliche Anteil als Shiva personifiziert und Shakti ist das weibliche Pendant. In der tantrischen Praxis geht es darum, sich nicht nur auf der rein körperlichen Ebene zu lieben, sondern mit dem Energiefeld des geliebten Menschen zu verschmelzen und letztendlich in einen meditativen Zustand der Glückseligkeit einzutauchen. Hört sich kompliziert an – ist es aber gar nicht. Denn dazu gibt es viele praktische Übungen, um die Sinne zu schärfen, Atemtechniken, spielerische Bewegungsübungen und Meditationen.
Seele küsst Libido – Tantra der neuen Zeit
Es gab schon früher in Indien die verschiedensten tantrischen Richtungen und auch heute gibt es sehr unterschiedliche Schulen. Diese Vielfalt ist großartig und jeder sollte sich die Lehrer suchen, von denen er sich persönlich angesprochen fühlt. Ich vertrete die Ansicht, dass wir eine zeitgemäße Form von tantrischen Ritualen und Übungen finden sollten. In vielen Tantrakursen wird Wert darauf gelegt, dass z.B. die Geschlechtsteile als Yoni und Lingam verehrt werden. Da wir normalerweise deutsch sprechen und kein Sanskrit, bin ich eher dafür, dass sich jeder in der Ausdrucksform frei fühlen sollte. TANTRA bedeutet für mich, dass man sich in seiner Gesamtheit liebt, auch mit allen sexuellen Neigungen respektiert und in einem achtsamen und sicheren Rahmen auch ausleben darf. Deshalb sind für mich auch andere erotische Subkulturen wie SM, Swinger oder Queer eine Form von tantrischem Selbstausdruck und mit dieser Ansicht unterscheide ich mich ein wenig von anderen Tantraschulen des Westens. Ich möchte Menschen dazu inspirieren, tiefer in das Reich der Sinne einzutauchen und das eigene Liebesrepertoire zu erweitern. Erlaubt ist was gefällt und niemandem schadet!